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John Galliano

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John Galliano, das spätere hochkreative „enfant terrible“ der Pariser Couture, wurde am 28. November 1960 in Gibraltar in einfache Verhältnisse hineingeboren. Als John sechs Jahre alt war, zogen seine Eltern Juan und Anita – ein Klempner aus Gibraltar und eine spanische Flamenco-Tänzerin – nach England. Nach eigenem Bekunden fühlte sich John Galliano in London fremd und – mit seiner anderen Mentalität, der spanischen Erziehung und seiner immanenten Kreativität im Hintergrund – von seiner Umwelt unverstanden. Die Wurzeln seiner Fashion-Ambitionen wurden wohl von Mutter Anita angelegt, die, selbst sehr stylish, das Kind auch auf einen kurzen Shopping-Trip nur in seinen besten Kleidern mitnahm – und damit ungewollt ein weiteres Konflikt-und Mobbingthema zwischen John und den weitaus robusteren Londoner Vorstadt-Kids in die Welt setzte.

Nach dem Schulabschluss studierte John Galliano Mode-Design am renommierten Londoner „Central Saint Martins College of Art and Design“ – er graduierte 1984 mit einem ausgezeichneten Abschluss. Seine erste Kollektion – Les Incroyables – war von der Französischen Revolution inspiriert, erhielt positive Kritiken in der Fashion-Szene und wurde schließlich an die Londoner Boutique „Browns“ verkauft. Erfolg, ein eigenes Studio und Label, positive Kontakte in der Branche – die Grundlagen für eine Fashion-Karriere waren eigentlich gelegt. Allerdings war John Galliano ein ausschließlich kreativer Kopf ohne ökonomische Ambitionen – 1990 war das Abenteuer zu Ende und sein erstes Unternehmen bankrott.

Dior schafft Sicherheit und kreativen Freiraum

Bereits 1989 hatte John Galliano eine erste Kollektion auf der Pariser Fashion Week vorgestellt, nach dem Scheitern des Londoner Unternehmens zog er in die Seine-Stadt. Nach verschiedenen designerischen Zwischenspielen war er 1993 erstmalig nicht in der Lage, eine Kollektion vorzustellen – in dieser Situation ergriffen „Vogue“-Chefin Anna Wintour und der europäische Korrespondent der „Vanity Fair“, Andre Leon Talley, die Initiative und verschafften dem als Designer längst anerkannten Galliano neue Investoren und Credibility in der Pariser Gesellschaft. Die daraus entstandene erste Kollektion für sein Label „John Galliano“ – gemodelt unter anderem von Kate Moss, Helena Christensen und Naomi Campbell – ebnete John Galliano den Weg in die französische Couture.

Bis zu seinem Engagement als Givenchy-Chefdesigner im Jahr 1995 etablierte sich John Galliano mit seinem eigenen Kreativ-Label in Paris als kompromissloser Vertreter eines avantgardistischen und künstlerisch inspirierten Fashion-Konzeptes. 1996 wechselte er innerhalb des LVMH-Universums von Givenchy zu Dior. Auch „John Galliano“ führte er von jetzt an unter dem Dior-Dach.

„Burn Out“, Prozess und Unperson der Fashion-Szene

Die Kreationen John Gallianos und die Inszenierung seiner beiden Marken auf den großen Pariser Modenschauen sind in der Couture-Welt nahezu legendär. Vor dem Hintergrund seines exzessiven Lebensstils, persönlicher Krisen, Überarbeitung und „Burn Out“ kam es jedoch im Februar 2011 zu einem Eklat, der die Karriere John Gallianos abrupt beendete. Der angetrunkene Designer hatte Gäste einer Pariser Bar mit rassistischen und antisemitischen Äußerungen beschimpft – Dior kündigte dem bisherigen Branchen-Star aus Imagegründen.

Seitdem wird John Galliano von der Branche und den Fashion- und Lifestyle-Medien praktisch nicht mehr wahrgenommen. Ein designerisches Come-Back ist bisher nicht in Sicht. Nur wenige Celebrities der Mode-Szene – Kate Moss sowie Azzedine Alaia und Jean-Paul Gaultier – äußerten sich nach der inzwischen juristisch mild geahndeten Entgleisung öffentlich noch positiv zu seiner Person und seiner kreativen Leistung.

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