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Azzedine Alaia

Bild: groningermuseum.nl / Robert Kot

Der tunesische Designer Azzedine Alaia  gilt als der Meister des „diskreten Luxus“  und als einer der ganz wenigen großen Namen in der Fashion-Szene, die ihre Unabhängigkeit nie aufgegeben haben. Alaia selbst betrachtet seine freie Kreativität außerhalb des Trend- und Leistungszwangs der Branche als existenziell für seine Arbeit und sein Leben.

Zur Pariser Modewoche im Sommer 2011 kehrte Azzedine Alaia  nach achtjähriger Auszeit mit einer exklusiv-privaten Schau in die „offizielle“ Pariser Modewelt zurück. Zeitgleich erhielt er den Status eines korrespondierenden ausländischen Mitglieds der Chambre Syndicale und damit den „Ritterschlag“ als Couturier. De facto belegt er diesen Rang bereits seit den 1980er Jahren.

Geboren wurde Azzedine Alaia am 7. Juni 1939 in Tunis als Sohn von Weizen-Farmern. Seine modebewussten Zwillingsschwestern inspirierten ihn zu ersten Schritten in der Modewelt. Der „intuitiv kreative“ Junge begann schließlich ein Skulptur-Studium an der „École des Beaux-Arts“ in Tunis. Sein Herz – und sein Talent – gehörten jedoch auf lange Sicht der Mode. 1957 zog er nach Paris. Für die nächsten zwei Jahrzehnte arbeitete er für Dior, Christian Laroche und Thierry Mugler.

Sein erstes eigenes Atelier in der Pariser Rue de Bellechasse eröffnete er in den späten 1970er Jahren – das kleine Studio sollte für fast zwei Dekaden ein Kreativ-Raum bleiben, in dem er seine atemberaubenden und zurückgenommen-avantgardistischen Entwürfe für eine handverlesene private Kundschaft schuf.

Kometenhafter Aufstieg und Celebrity-Designer

1980 publizierte Alaia – natürlich ebenfalls in Paris – seine erste Prêt-a-porter-Kollektion und etablierte sein noch heute bestehendes größeres Atelier im Marais-Distrikt. Darauf folgte ein kometenhafter internationaler Aufstieg. 1984 erhielt er den vom französischen Kulturministerium vergebenen „Oscar de la Mode“ sowohl als „bester Designer“ als auch für die „beste Kollektion des Jahres. Mediale Unterstützung kam unter anderem vom französischen Fashion-Magazin und der Pariser Edition der „Elle“.

Bereits seine erste Kollektion sicherte Azzedine Alaia auch „Honours“ in den USA. Die französische Designerin Andrée wurde von einem Einkäufer des New Yorker Luxus-Kaufhauses Bergdorf Goodman auf ihr Azzedine-Alaia-Outfit angesprochen – bald darauf gab es Alaias Kreationen auch in New York und Beverley Hills zu kaufen. 1988 betrieb er eigene Boutiquen nicht nur in Paris, sondern auch in diesen beiden Städten. Zu seinen Kundinnen gehören Celebrities wie Grace Jones – die im James-Bond-Film „Im Angesicht des Todes“ mehrere seiner Entwürfe auch vor der Kamera trug – Madonna, Tina Turner oder Raquel Welch.

Kreative Ausnahme im Fashion-Business

Seit Mitte der 1990er Jahre hat sich Azzedine Alaia immer wieder für längere Zeit aus der „offiziellen“ Modeszene zurückgezogen. Er entwirft nur eine Kollektion im Jahr, die er nicht in einem öffentlichen Rahmen präsentiert. Seine Kreationen tragen inzwischen Kunstcharakter, das Groninger Museum widmete ihm 2011/2012 eine große  Werkschau.

Catherine Lardeur, die frühere Herausgeberin und Chefredakteurin der französischen „Elle“ konstatierte in einem Interview, dass die Mode im Grunde „tot“ sei und die Kollektionen lediglich dem Image der Labels und Designer dienen, Geld werde mit Taschen und Parfüms verdient. Die Ausnahme sei Azzedine Alaia – klug genug, sich nicht dafür zu interessieren, was „die Leute“ von ihm denken, mit Fashion Shows nur dann, wenn er „etwas zu zeigen“ habe, bis heute – und trotz seines Prada-Intermezzos Anfang der 2000er Jahre – frei für das, was er wirklich tun will.

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